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Konzept zur Inklusion an der EKO Jever1

 

  1. Vorwort

Der Aufbau eines inklusiven Bildungssystems ist ein wichtiger Bestandteil der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zur Förderung der Chancengleichheit für Menschen mit und ohne Behinderungen. Nach ihr haben Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit allen anderen Kindern einen Anspruch auf wohnortnahe Beschulung. Seit dem Schuljahr 2013/2014 ist die Inklusion in Niedersachsen für alle Schüler*innen der Klassenstufen 1 und 5 aufsteigend verbindlich eingeführt worden. Die EKO Jever möchte Chancengleichheit für jeden einzelnen erzielen und die jeweils bestmöglichen Bildungswege eröffnen. Damit leistet die Schule einen Beitrag zur Umsetzung des gesetzlich verankerten Rechts auf eine inklusive Beschulung. Voraussetzung hierbei ist ein wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander.

 

  1. Zielvorstellung

Die Schüler*innen der EKO Jever begehen alle gemeinsam ihren Schulalltag und werden währenddessen ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert.

 

  1. Situation an der EKO Jever

An der EKO Jever können ab dem Jahrgang 5 alle Schüler*innen gemäß ihren persönlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen unterrichtet werden. Eine sonderpädagogische Förderung ist in allen Bereichen (körperlich-motorische Entwicklung, emotional-soziale Entwicklung, Bereiche Lernen, Sprache, Hören, Sehen und geistige Entwicklung) möglich. Durch einen Fahrstuhl im Schulgebäude sind alle wichtigen Räumlichkeiten der Schule barrierefrei erreichbar. Außerdem ist es dank eines eingerichteten Postens für Inklusion im Schuletat möglich, auch spontan wichtige Anschaffungen zu tätigen, die inklusives Unterrichten ermöglichen.

In Jahrgang 5 wird seit dem Schuljahr 20/21 eine Eingangsdiagnostik in den beiden Fächern Mathematik und Deutsch durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Testung führen direkt zu einer individuellen Förderplanung/Forderplanung der Schüler*innen, die in bestimmten Bereichen Defizite/Stärken aufweisen.

 

  • Das Konzept wieder ständig evaluiert und erweitert.

 Ab dem siebten Schuljahr findet sukzessive eine Differenzierung in Fachleistungskurse in den Hauptfächern (Englisch, Mathe ab Jahrgang 7, Deutsch ab 8 und Chemie ab Jahrgang

  • Hier werden die Schüler entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit unterschiedlichen Niveaus zugeordnet. Schüler, die nach Klasse 9 einen Abschluss der Förderschule Lernen erwerben und somit zieldifferent beschult werden, werden hier zumeist den Grundkursen zugeordnet.

Ab dem 5. Jahrgang wird außerdem die Individuelle Lernentwicklung (ILE) dokumentiert und auf den in diesem Zusammenhang installierten Pädagogischen Konferenzen Stärken und Schwächen der Schüler*innen jeder Klasse besprochen. Auch diese Besprechungen sind Grundlage vieler Förder-/Fordermaßnahmen an der EKO. Zum Kollegium der EKO gehört seit dem Schuljahr 19/20 auch eine Förderschullehrkraft für den Förderschwerpunkt Lernen. Diese arbeitet schwerpunktmäßig in den Jahrgängen 5/6. Durch den Einsatz dieser Lehrkraft werden gleich zwei wichtige Aspekte sichergestellt:

 

  1. In Schuljahrgang 5 wird gewährleistet, dass eine Lehrkraft mit einem sonderpädagogischen Schwerpunkt und entsprechender Erfahrung alle Schüler*innen mit ihren Besonderheiten von Beginn an kennenlernt. Dies ist vor dem Hintergrund einer schnellen und effizienten Förderplanung wichtig. Die Förderschullehrkraft kann in diesem Bereich auch schnellstmöglich präventiv tätig werden, einen drohenden Förderbedarf erkennen und Maßnahmen ergreifen (lassen), die diesen abwenden.
  2. Durch die ununterbrochene Begleitung in den ersten beiden Schuljahren an der EKO wird allen Beteiligten (Schüler*innen, Eltern/Erziehungsberechtigten und Lehrer*innen) dem gemeinsamen Arbeiten eine nicht unwesentliche Kontinuität zugrunde gelegt, die es ermöglicht, sich ganzheitlich auf den Schüler/die Schülerin einzulassen und die Förderung für alle Seiten zufriedenstellend in die Wege zu leiten.

 

Ab dem Schuljahrgang 7 beginnt an der EKO die Phase der Berufsorientierung. Im Laufe der Schuljahre 7-10 finden sehr verschiedene Maßnahmen zur Diagnose von Stärken und Schwächen im Hinblick auf einen späteren Ausbildungsberuf bzw. die berufliche Zukunft statt. Hier arbeitet die EKO eng mit der Bundesagentur für Arbeit und dem zugehörigen Berufsinformationszentrum (BIZ) zusammen. Im Zuge dieser Kooperation wird den Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf zusätzlich eine Rehabilitationsberatung angeboten und durch die Schule angebahnt. Ziel dieser Beratung durch eine spezialisierte Fachkraft der Bundesagentur ist es u.a. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten zu erörtern, die die Schwierigkeiten beseitigen oder mildern, die auf Grund von gesundheitlichen Einschränkungen die Berufsausbildung oder Berufsausübung erschweren oder unmöglich erscheinen lassen.

Die Schulsozialarbeiterin der EKO konzentriert sich im Schulalltag nicht nur auf den Umgang mit Problemen, sondern verfolgt in Kooperation mit diversen Schulpartnern (u.a. JUZ Jever, Suchtberatungsstelle Friesland, profamilia Wilhelmshaven, Schuldnerberatung der Diakonie, Polizeikommissariat Jever usw.) auch stets einen präventiven Ansatz. Zudem ist sie mit verschiedenen Beratungsstellen sowie Ansprechpartnern unterschiedlicher Institutionen vernetzt und kann daher in Absprache weitere Hilfsangebote anbahnen.

Außerdem gehört seit vielen Jahren ein Beratungslehrer zum Team, der allen am Schulleben Beteiligten zur Seite steht, wenn es bspw. um folgende Probleme geht: Probleme im Unterricht, in der Schule oder zu Hause, dies können Lernprobleme, Leistungsprobleme, soziale Konflikte in der Schule oder auch eine Schullaufbahnberatung sein. Ansprechpartner ist der Beratungslehrer auch ausdrücklich für Lehrer*innen.

Schulsozialarbeit und Beratungslehrer besetzen aufgrund der hohen Schnittmenge ihrer Aufgabenbereiche seit einigen Jahren ein gemeinsames Büro. Dies ermöglicht ihnen eng und zielorientiert zusammenzuarbeiten und einen guten Austausch zu pflegen.

 

  1. Umsetzung sonderpädagogischer Förderung an der EKO Jever

An der EKO Jever arbeiten Lehrer*innen der zuständigen Förderschulen Lernen, Geistige Entwicklung und auch Körperlich-Motorischer Entwicklung (Friedrich-Schlosser-Schule Jever) und Emotional-Soziale Entwicklung (Heinz-Neukäter-Schule, Varel). Außerdem unter-stützen Lehrkräfte der Mobilen Dienste Hören und Sehen die an der EKO tätigen Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal bei ihrer täglichen Arbeit mit Schülern sonderpädago-gische Förderbedarfe.

Die Zusammenarbeit mit dem oben genannten sonderpädagogischen Personal ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • unterrichtsbegleitende Maßnahmen im Klassenverband / Teamteaching / innere Differenzierung, wie z.B. Kleingruppenarbeit, Arbeit am selben Thema, jedoch mit unter-schiedlichen Aufgabenstellungen usw.
  • sonderpädagogische Förderung zu Basisqualifikationen z.B. Lese- und Rechtschreibförderung, Mathematikförderung, Konzentrationstraining / äußere Differenzierung (Schüler*innen arbeiten phasenweise, aber in Ausnahmefällen außerhalb des Klassenraumes).
  • Erstellen / Bearbeiten / Bereitstellen differenzierter Unterrichtsmaterialien / differenzierter Lernzielkontrollen.
  • sonderpädagogische Diagnostik / Lernstandserhebungen / regelmäßige Überprüfung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs.
  • Prozessbegleitung bei der individuellen Förderplanung sowie der Dokumentation dieser.
  • (auf Wunsch) das Führen von Beratungsgesprächen mit Kolleg*innen zum Einsatz sonderpädagogischer Verfahren (z.B. Kind – Umfeldanalyse).
  • Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Beratungsgesprächen mit den Erziehungsberechtigten (gemeinsam mit der Klassenlehrkraft) hinsichtlich der Festlegung von Förderzielen, der Lern- und Verhaltensentwicklung, Möglichkeiten der Förderung, außerschulische Hilfemöglichkeiten (Mobiler Dienst, Erziehungsberatungsstelle Jever, KJP Wilhelmshaven, etc.).
  • Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Beratungsgesprächen mit den Schülern (gemeinsam mit der Klassenlehrkraft).
  • Jahrgangsbezogene Zuordnung der Förderschullehrkräfte / langfristige Begleitung der Schüler mit Förderbedarf.
  • Ein Teil der Stunden für sonderpädagogische Unterstützung wird von Regellehrkräften geleistet. Diese Kollegen*innen sind in sogenannten Doppelsteckungen für die individuelle Förderung einzelner Schüler*innen oder Kleingruppen einer Lerngruppe zuständig.

 

  1. Schulabschlüsse
  • Alle zielgleich unterrichteten Schüler*innen erhalten den von ihnen in der Klasse 9/10 erreichten Schulabschluss der EKO Jever.
  • Alle zieldifferent unterrichteten Schüler*innen können einen Abschluss der Förderschule ihres Förderschwerpunktes (Geistige Entwicklung oder Lernen) bekommen.
  • Zieldifferent unterrichtete Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen können bei entsprechenden Leistungen den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erhalten, müssen dafür den Jahrgang dann wiederholen. Dies erwies sich in der Vergangenheit als äußert erfolgreich.

 

  1. Zeitplan für bestimmte oben erwähnte (sonderpädagogische) Maßnahmen
 

Jahrgang

Maßnahme

(Ungefährer) Zeitpunkt

5

Eingangsdiagnostik in den Fächern Deutsch und Mathematik

Abschluss der Diagnostik (Durchführung und Auswertung) bis zu den Herbstferien

Pädagogische Konferenz (PäK)

Nach Abschluss der Eingangsdiagnostik

Förderplanerstellung

Spätestens auf der PäK

6

Evaluation bestehender Förderpläne

Erster Monat des neuen SJ und dann alle 3-4 Monate

PäK

Spätestens zwei Wochen vor dem Beratungstag

7

PäK

Spätestens zwei Wochen vor dem Beratungstag

Evaluation bestehender Förderpläne

Erster Monat des neuen SJ und dann alle 3-4 Monate

8

PäK

Spätestens zwei Wochen vor dem Beratungstag

Evaluation bestehender Förderpläne

Erster Monat des neuen SJ und dann alle 3-4 Monate

Anbahnung der Rehabilitationsberatung

Im Laufe des 1. Schulhalbjahres

9

PäK

Spätestens zwei Wochen vor dem Beratungstag

Evaluation bestehender Förderpläne

Erster Monat des neuen SJ und dann alle 3-4 Monate

10

PäK

Spätestens zwei Wochen vor dem Beratungstag

Evaluation bestehender Förderpläne

Erster Monat des neuen SJ und dann alle 3-4 Monate